Mit der Ausstellung „TRANSIT – Bilder aus dem Exil“ wird seit wenigen Tagen ein zentrales und lange verdrängtes Kapitel Dresdner Stadtgeschichte erneut in den Blick gerückt. Veranstaltet vom Förderkreis Alter Leipziger Bahnhof knüpft das Projekt unmittelbar an jenen Ort an, der wie kaum ein anderer für die nationalsozialistische Verfolgungsgeschichte der Stadt steht. Die Ausstellung ist vom 9. Januar bis 8. Februar 2026 im KABINETT des Zentralwerk e. V. zu sehen.
Der Alte Leipziger Bahnhof war nicht nur ein früher Verkehrsknotenpunkt Dresdens, sondern auch ein Ort der Entrechtung und Deportation. Von hier aus wurden zwischen 1942 und 1944 Jüdinnen und Juden sowie weitere Verfolgte in Ghettos und Vernichtungslager verschleppt. Die Familiengeschichte der argentinischen Künstlerin Mónica Laura Weiss, deren Angehörige 1933 aus Dresden fliehen mussten, steht exemplarisch für die Wege, die an diesem Ort begannen und in das Exil führten.
Die künstlerischen Arbeiten von Weiss thematisieren Flucht, Verlust, Sprache und Identität im Exil. Sie machen deutlich, dass die Geschichte des Alten Leipziger Bahnhofs nicht mit dem Ende des Nationalsozialismus abgeschlossen ist, sondern sich in den Biografien der Nachfahren fortsetzt. Damit erweitert die Ausstellung die Debatte um eine künftige Gedenk- und Begegnungsstätte am historischen Ort um eine internationale und generationenübergreifende Perspektive.
Die Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag, 8. Januar 2026, war ein bewegender Auftakt. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch, Mitglied im Beirat Erinnerungskulturen der Landeshauptstadt Dresden, sprach ein Grußwort. Gemeinsam mit Ekaterina Kulakova, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Dresden K.d.ö.R. und des Jüdischen Landesverbands Sachsen, eröffnete sie die Ausstellung. Die Laudatio hielt die Berliner Kulturwissenschaftlerin Dr. Gabriele Knapp.
Ein besonderer Schwerpunkt des Eröffnungsabends war die Uraufführung eines Dokumentarfilms von Michel Steinberg aus Buenos Aires und Berlin, der die Fluchtgeschichte der Familie aus Dresden filmisch nachzeichnete. Die Musik des Sängers und Gitarristen Max Loeb Garcia unterstrich die persönliche Dimension des Themas.
Die Ausstellung ist donnerstags bis samstags von 16 bis 20 Uhr sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen für Gruppen und Schulklassen bieten die Möglichkeit, sich vertieft mit der Geschichte des Exils, der Rolle Dresdens und der Bedeutung des Alten Leipziger Bahnhofs auseinanderzusetzen. Gerade in einer Zeit, in der antisemitische und rassistische Positionen wieder stärker auftreten, ist diese Auseinandersetzung von besonderer Bedeutung.
Veranstalter und Projektträger ist der Gedenkort Alter Leipziger Bahnhof e. V., gefördert durch die Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz. Kooperationspartner sind das Zentralwerk Dresden e. V. sowie die sächsische Landesarbeitsgemeinschaft Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus e. V.
Aus Sicht der Allianz für Dresden macht die Ausstellung deutlich, welches Potenzial im Alten Leipziger Bahnhof liegt und wie fahrlässig weiterhin mit diesem Ort umgegangen wird. Während engagierte Initiativen Erinnerung sichtbar machen und Verantwortung übernehmen, herrschen Stillstand, ungeklärte Zuständigkeiten und fehlender Gestaltungswille sowohl seitens des Grundstückseigentümers als auch seitens des entsprechenden Amtes in der Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Dresden. „Erinnerungskultur darf nicht vom Zufall oder vom Engagement Einzelner abhängen“, Stephan Trutschler, Sprecher der Allianz für Dresden. „Wir fordern die Stadtverwaltung erneut auf, den Alten Leipziger Bahnhof dauerhaft zu sichern, die Auflagen des Denkmalschutzes konsequent durchzusetzen und endlich eine verbindliche Perspektive für die Entwicklung des Areals vorzulegen.“ Projekte wie „TRANSIT – Bilder aus dem Exil“ zeigen, dass dieser Ort schon heute eine zentrale Rolle für die Dresdner Erinnerungskultur spielen kann. „Es ist höchste Zeit, dass Politik und Eigentümer dieser Verantwortung gerecht werden“, so Trutschler abschließend.
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