Mit der Geschichtswerkstatt „Knotenpunkt Deportationen Dresden“ widmet sich der Förderkreis Alter Leipziger Bahnhof im Jahr 2026 der nationalsozialistischen Verfolgung und Deportation jüdischer Menschen sowie weiteren Kapiteln der Dresdner NS-Geschichte. Im September standen insbesondere persönliche Lebensgeschichten und die historische Rolle Dresdens als Verkehrsknotenpunkt im Mittelpunkt.
Der Alte Leipziger Bahnhof ist ein Ort mit einer vielschichtigen Vergangenheit. 1839 als Endpunkt der Eisenbahnverbindung zwischen Leipzig und Dresden eröffnet, wurde er später zu einem bedeutenden Güterbahnhof.
Während des Nationalsozialismus war das Gelände in die Logistik der Kriegswirtschaft eingebunden. Zugleich war es Ausgangs- und Zwischenstation von Deportationen. Mehr als 500 Jüdinnen und Juden aus Dresden und Ostsachsen wurden von hier verschleppt.
Diese Geschichte aufzuarbeiten und für kommende Generationen zugänglich zu machen, ist Ziel der Geschichtswerkstatt „Knotenpunkt Deportationen Dresden“.
Persönliche Biografien im Mittelpunkt
Ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltungsreihe lag Anfang September auf den Lebenswegen der Familie Löwenstein.
Bei einer Veranstaltung am 1. September 2026 wurden Forschungsergebnisse zur Geschichte von Paul und Johanna Löwenstein sowie Betty Roth vorgestellt.
Betty Roth wurde 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie überlebte die nationalsozialistische Verfolgung und emigrierte 1948 nach Australien. Paul und Johanna Löwenstein wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Zwei Geschichtsstudierende der Technischen Universität Dresden präsentierten Ergebnisse ihrer Recherchen. Ergänzt wurde die Veranstaltung durch ein Gespräch mit Jeffrey Löwenstein, einem Nachfahren der Familie.
Die Beschäftigung mit solchen Biografien macht deutlich, dass sich hinter historischen Zahlen individuelle Lebenswege, Familiengeschichten und persönliche Schicksale verbergen.
Dresden als Knotenpunkt der Deportationen
Auch beim weiteren Austauschtreffen der Geschichtswerkstatt am 15. September 2026 ging es um die Rolle Dresdens während der NS-Zeit.
Thematisiert wurden unter anderem Zwangsarbeit in Dresden, Deportationszüge durch die Stadt und die Verfolgung von Künstlerinnen und Künstlern.
Die Geschichtswerkstatt verbindet wissenschaftliche Forschung mit der Arbeit lokaler Initiativen. Neben Vorträgen und Diskussionen gehören auch Rundgänge zu historischen Schauplätzen zum Programm.
Auf diese Weise entsteht ein umfassenderes Bild davon, wie eng die Geschichte einzelner Orte mit den nationalsozialistischen Verbrechen verbunden ist.
Historische Verantwortung als Teil der Stadtentwicklung
Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist zugleich eine wichtige Grundlage für die zukünftige Nutzung des Alten Leipziger Bahnhofs.
Das Gelände soll langfristig zu einem Ort entwickelt werden, der Gedenken, Bildung und Begegnung miteinander verbindet.
Dabei geht es nicht allein darum, historische Gebäude zu bewahren. Ebenso wichtig ist es, die Geschichte des Ortes verständlich zu vermitteln und ihre Bedeutung für die Gegenwart sichtbar zu machen.
Die Geschichtswerkstatt zeigt, welchen Beitrag Forschung und zivilgesellschaftliches Engagement dazu leisten können.
Gerade bei der städtebaulichen Neuordnung des Areals muss diese historische Dimension dauerhaft berücksichtigt werden.
Weiterführende Informationen:
- Geschichtswerkstatt „Knotenpunkt Deportationen Dresden“
- Lebenswege der Familie Löwenstein – Bericht des Förderkreises
Bildhinweis: Die verwendeten Bilder wurden mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellt. Sie dienen der symbolischen Veranschaulichung der Themen und stellen keine authentischen Aufnahmen der tatsächlichen Gegebenheiten, Veranstaltungen oder Planungen dar.



